Nachhaltiger Kaffee und ökologischer Handel mit Kaffeebohnen

Von Petra Müller

Kaffeebauer auf Kaffeeplantage bei Sonnenaufgang.

Bevor das schwarze Getränk in unsere Tassen gelangen kann, müssen die Rohkaffeebohnen in aller Regel eine beachtliche Reise zurücklegen. Da dieses Unterfangen häufig eine Vielzahl an beteiligten Akteuren erfordert, bedingt durch die u.a. stetig steigende Nachfrage nach großer Sortenvielfalt, ist die Einhaltung der Nachhaltigkeitsstandards eine für den Kaffeehandel permanent an Bedeutung gewinnende Herausforderung.

Um Ihnen einige Wege, mit denen die Nachhaltigkeit beim Kaffeehandel verbessert werden kann, aufzuzeigen und Ihnen konkret darzulegen, auf welche Standards für nachhaltigen Kaffee wir, als Cafe-PeRu, setzen, möchten wir mit diesem Artikel ein wenig Licht in den Handel mit den Kaffeebohnen bringen.

Was bedeutet „Nachhaltiger Kaffee“ / „Nachhaltiger Anbau“?

Unter Nachhaltigkeit beim Kaffeeanbau verstehen wir als primäres Ziel die ökologische Bewirtschaftung der Anbauflächen der Kaffeepflanzen, sodass diese auch den zukünftigen Generationen erhalten bleibt und keine kurzfristige Ausbeutung natürlicher Ressourcen zu Lasten der Qualität und der langfristigen Nutzung dieser Flächen stattfindet.

Auch wenn dort die größte Wirkung erzielt wird, endet das Thema Nachhaltigkeit natürlich nicht beim Produzenten des Rohkaffees, oder liegt hauptsächlich in dessen Verantwortung. Auch der übrige Teil der Lieferkette, sowie der Kaffeeröster im Importland, müssen in den Fokus genommen werden.

Der Importeur der Rohkaffeebohnen sollte beispielsweise eine möglichst emissionsarme und umweltfreundliche Einfuhr in das Zielland ermöglichen, während der Kaffeeröster sich auf die Vermeidung von übermäßigem Verpackungsmüll und das Einbinden seiner Kunden in den Nachhaltigkeitsgedanken des Unternehmens konzentriert.

In Kombination lässt sich somit auf einen deutlich wirksameren, gesamtheitlich nachhaltigen Handel mit Kaffeebohnen hinwirken

Wie lassen sich die Nachhaltigkeitsziele beim Kaffeehandel konkret erreichen?

Auf den Handel nachhaltiger Kaffeebohnen, sowie die sozialen und ökologischen Aspekte dahinter, lässt sich auf verschiedenste Art und Weise Einfluss nehmen. Wir zählen Ihnen einige Möglichkeiten auf, wie dies auch als Konsument gelingen kann.

Die Produktherkunft beim Kaffee-Einkauf beachten

Der größte Hebel, den Kaffeehandel nachhaltiger zu gestalten, ist diejenigen Produkte, welche aufgrund Ihrer Kennzeichnung Nachhaltigkeitspflichten nachweislich einhalten müssen in den Vordergrund zu rücken. Aus diesem Grund kommunizieren wir unsere Zertifizierung als Bio-Händler regelmäßig und weisen unsere Kunden auf die Kaffeesorten biologischen Ursprungs in unserem Sortiment hin.

Es muss allerdings nicht zwangsweise ein teureres, durch ein Gütesiegel zertifiziertes Produkt sein, um nachhaltigen Kaffee einzukaufen. Es gibt auch Initiativen, die Ihre Kaffeepflanzen unter nachhaltigen / biologischen Rahmenbedingungen anbauen, sich jedoch das Geld für die Zertifizierungskosten sparen und in anderweitige nachhaltige Projekte investieren.

So wird z.B. beim Kaffee Kogi bewusst auf das Bio-Siegel verzichtet, um das Geld in den Landrückkauf der Naturvölker, die diesen Kaffee kultivieren, zu investieren und diese Gebiete somit vor dem in Kolumbien um sich greifenden Raubbau der Naturflächen zu bewahren. Hierdurch lassen sich die nachhaltigen Kaffeebohnen der Kogi-Indianer zu adäquateren Kosten exportieren und gleichzeitig ein Teil des Erlöses in die langfristige Sicherstellung der Kulturlandschaften investieren.

Frau beim Ernten von Kaffeekirschen.

Regionale Kaffeealternativen ausprobieren

Da die Kaffeepflanze nur in sehr tropischen Ländern entlang des Kaffeegürtels, welcher in etwa dem Verlauf des Äquators entspricht, gedeihen kann, ist es unvermeidbar, dass dieser einen weiten Weg zurücklegen muss und dabei einen negativen Beitrag zur weltweiten CO2-Bilanz leistet.

Eine echte regionale Alternative stellt hierbei der Lupinenkaffee dar. Die für diesen nachhaltigen Kaffee erforderlichen Samen, werden aus dem auf regionalen Bauernhöfen erhältlichem Gewächs der „Süßlupine“ gewonnen und stellen eine dem Kaffeegeschmack sehr nahe kommende, genießbare und nachhaltige Alternative zum gewohnten Bohnenkaffee dar.

Dabei kann der Lupinenkaffee nicht nur durch seinen ökologischen Fußabdruck punkten. Dieser ist nämlich von Natur aus frei von Gluten, Koffein und Säuren, was einen gesünderen Kaffeekonsum zur Folge hat.

Schlussendlich ist der Lupinenkaffee auch noch deutlich günstiger als normaler Bohnenkaffee, da dieser nicht um die halbe Welt reisen musste und somit zu wesentlich geringeren Herstellkosten zur Verfügung gestellt werden kann.

Verpackungsmüll beim Kaffee reduzieren

Oft rückt das Thema Verpackungsmüll zu sehr in den Hintergrund, wenn es um nachhaltigkeitsorientierten Kaffeehandel geht. Dabei lässt sich vor allem mit dem Reduzieren von vermeidbarem Verpackungsmüll, am einfachsten den eigenen Nachhaltigkeitsprinzipen entsprechen.

Aus diesem Grund bieten wir unseren Kunden stets die Möglichkeit, Ihren Kaffee beim Einkauf in eigenen Behältnissen abfüllen zu lassen, wenn dieser abgeholt wird, um weniger Verpackungsmüll zu verursachen.

Darüber hinaus erhalten Kunden in unserem Shop einen günstigeren Grundpreis pro Kg, wenn eine größere Mengenvariante des Kaffees bestellt wird, um einen höheren Anreiz für umweltbewusstes Einkaufen zu setzen.

Direkt Einfluss nehmen wir als Rösterei, indem wir Kartonagen für den Versand, sofern diese hierfür noch geeignet sind, mehrfach verwenden und nur dann neue Kartonagen in den Verkehr bringen, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Verzicht auf Kaffee aus Kapseln

Dass der Kaffee aus Kapselmaschinen nicht gerade eine umweltfreundliche Art ist, seinem Kaffeegenuss nachzukommen, ist inzwischen hinlänglich bekannt.

Im Jahr 2016 nahmen Kaffeekapseln einen Marktanteil von etwa 5,6 Prozent ein. Was erst einmal gering erscheinen mag, verschärft sich in der Dramatik deutlich, wird man sich des hohen Verpackungsanteils, je abgesetzer Kaffeekapsel, bewusst. Laut der Deutschen Umwelthilfe kommen je 6,5 Gramm Kaffee ca. 4 Gramm für Aluminium / Kunststoff, sowie die Umverpackung zum Einsatz.

Trotz der Bemühungen seitens der Hersteller, die Recyclingfähigkeit der zur Verwendung kommenden Materialien zu optimieren, macht dies den hohen Verpackungsanteil an Kaffee aus Kapseln nicht wett und ist, aus unserer Sicht, die aus Nachhaltigkeitsgesichtspunkten am wenigsten geeignete Alternative zur Kaffee-Zubereitung.

Eine bunte Vielzahl an Kaffeekapseln durcheinandergemischt.

Fazit: Nachhaltiger Kaffee

Umweltbewusstes Einkaufen und Konsumieren verhilft dem Kaffeehandel sich besser auf Nachhaltigkeitsziele ausrichten zu können und das darin steckende Potential zu erkennen. Trotz berechtigter Kritik an manchem Gütesiegel, oder der dahinterstehenden Organisation, lässt sich dennoch sagen, dass diese die nachhaltigere Wahl beim Kauf des Kaffeeprodukts darstellen und wir über die Bevorzugung solcher Produkte, den maßgeblichsten Einfluss nehmen können.

Darüber hinaus lässt sich durch den bewussteren Umgang mit Verpackungsmüll, den Verzicht auf den Konsum eher umweltschädlicher Produkte, wie Kaffee aus Kapseln, und das Ausprobieren regionaler Kaffeealternativen, auch im Kleinen, ein nicht zu verachtender Anteil am Vorankommen der Nachhaltigkeit des Kaffeehandels nehmen.